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Schon seit seiner Jugend steht Erwin Tweebeeke mit beiden Beinen auf dem Boden der Backstube. Allerdings tut er das seit 18 Jahren in Hunderten verschiedener Bäckereien. Als Bäckereifachberater bei Kalmeijer bildet er das Bindeglied zwischen Handwerkskunst und Maschine.
Erwin wusste früh, was er nicht wollte: den ganzen Tag die Schulbank drücken. Bücher lesen war nicht sein Ding. Seine Hände mussten beschäftigt sein, sein Kopf ebenso. Die Bäckerei erwies sich als die perfekte Antwort.
Er absolvierte eine Ausbildung im Bäckerei- und Konditoreihandwerk und arbeitete viele Jahre als Konditor. Was als praktische Entscheidung begann, entwickelte sich zu einer tief verwurzelten Leidenschaft für das Handwerk. Genau dieser Hintergrund macht ihn heute für Kalmeijer so wertvoll.
„Diese Jahre in der Backstube sind die Grundlage für alles, was ich tue“, erzählt Erwin. „Wenn ich bei einem Kunden vor Ort bin, verstehe ich, worum es geht. Nicht aus einem Buch heraus, sondern aus eigener Erfahrung.“
Wer glaubt, dass ein Bäckereifachberater hinter einem Schreibtisch sitzt, liegt falsch.
An einem Tag testet Erwin eine neue Maschine in der Versuchsbäckerei. Am nächsten fährt er zu einem Kunden, um ein Backproblem zu untersuchen oder eine Maschine in Betrieb zu nehmen. Dazwischen bereitet er Vorführungen vor, unterstützt die Vertriebsmitarbeiter und vertritt Kalmeijer auf Messen in den Niederlanden und weit darüber hinaus.
„Jede Bäckerei ist anders“, sagt er. „Andere Arbeitsweisen, andere Produkte, andere Menschen. Bei dem einen Bäcker sitzt man an einem rustikalen Küchentisch bei einer Tasse Kaffee. In einem anderen Betrieb kommt man nur mit Besucherausweis hinein. Genau das macht die Arbeit auch nach all den Jahren noch spannend.“

Während Artisan 2025
Wenn Erwin bei einem Kunden eintrifft, der ein Backproblem hat, beginnt er nicht sofort mit seiner eigenen Lösung. Er beginnt damit zuzuhören.
„Ich gehe immer davon aus, dass der Bäcker selbst schon sehr viel weiß. Es geht nicht darum, wer das meiste Wissen hat, sondern darum, dieses Wissen gemeinsam einzusetzen.“
Die Vertriebsmitarbeiter von Kalmeijer verfügen alle über einen Hintergrund im Bäckerhandwerk und lösen den Großteil der Fragen selbstständig. Wird es jedoch wirklich komplex, ziehen sie Erwin hinzu. Dann beginnt die eigentliche Detektivarbeit: Liegt das Problem an der Maschineneinstellung, am Teig oder vielleicht sogar an der Ernte dieses Jahres?
„Man muss immer das Gesamtbild betrachten“, erklärt er. „Eine Maschine kann einwandfrei funktionieren, während die Ursache des Problems ganz woanders liegt, etwa bei den Rohstoffen oder der Teigtemperatur. Erst wenn man das Ganze versteht, findet man die richtige Lösung.“
Manchmal ist ein Teig auf dem Papier perfekt und bereitet trotzdem Probleme in der Maschine. Erwin hat das schon unzählige Male erlebt.
Nehmen wir zum Beispiel einen Keks- oder Plätzchenteig auf Ölbasis: Theoretisch sollte er problemlos durch die Maschine laufen. In der Praxis stellte sich jedoch heraus, dass der Teig die Maschine auf eine Weise beeinträchtigte, die niemand vorhergesehen hatte. Oder ein Bäcker möchte mit der KKM Teigstücke von 16 bis 17 Gramm herstellen, obwohl das minimal einstellbare Gewicht bei 20 Gramm liegt.
In solchen Fällen sucht Erwin gemeinsam mit dem Kunden nach einer Lösung. Kann die Rezeptur angepasst werden? Lässt sich die Maschine anders einstellen? Und wenn beides nicht möglich ist, wie geht es dann weiter? „Dann bewegt man sich an der Grenze zwischen dem, was technisch machbar ist, und dem, was der Kunde wirklich braucht.“

In der Testbäckerei
Was Kalmeijer seiner Meinung nach besonders stark macht, ist nicht eine einzelne Maschine oder eine einzelne Abteilung. Es ist das Zusammenspiel aller Bereiche.
„Entwicklung, Produktion, Service und Vertrieb, alles befindet sich hier unter einem Dach. Die Wege sind kurz. Wenn es bei einem Kunden ein Problem gibt, kann ich mich direkt mit Forschung und Entwicklung oder dem Service abstimmen. Das ist ein enormer Vorteil.“
Bei neuen Maschinen arbeitet Erwin eng mit der Forschungs- und Entwicklungsabteilung zusammen: Er testet, beobachtet und gibt seine Erkenntnisse weiter. So fließt seine praktische Erfahrung unmittelbar in die Weiterentwicklung der Kalmeijer-Maschinen ein.
Nach achtzehn Jahren weiß Erwin genau, wofür er seine Arbeit macht.
„Wenn man wegen eines ernsthaften Problems bei einem Kunden war, alles gründlich analysiert hat und das Unternehmen mit dem Wissen verlässt, dass das Problem gelöst ist, dann ist das der Moment. Dann stimmt einfach alles.“
Dasselbe gilt für eine erfolgreiche Messe, eine Vorführung, die genau zeigt, was eine Maschine leisten kann, oder für einen Bäcker, der Monate später anruft und erzählt, dass sein Produktionsprozess reibungsloser läuft als je zuvor.
Die Bäckereibranche verändert sich. Mehr spezialisierte Konzepte, mehr halbindustrielle Betriebe und eine steigende Nachfrage nach Maschinen, die mit weniger Personal effizienter produzieren. Erwin beobachtet diese Entwicklungen genau und blickt ihnen positiv entgegen.
„Das Bäckerhandwerk wird immer bestehen bleiben. Es gibt sogar wieder mehr Bäckereien. Vielleicht in einer anderen Form als früher, aber das Bedürfnis nach gutem Brot und echtem Handwerk wird nicht verschwinden.“
Und genauso wenig verschwindet der Bedarf an jemandem wie Erwin: jemandem, der die Arbeit in der Backstube kennt, die Maschinen versteht und zugleich genau weiß, wie man Kunden unterstützt und begleitet.





